Kein Feuerwerk am Zürichsee
Wachsender Mond und brennende Sonne
Dieser Beitrag spielt vom Donnerstag, 16. bis Dienstag 21. Dezember 2021
Dies Jahr wollen wir zuhause bleiben über die Feiertage. Bestimmt ist die Pandemie zu Ende und in Zürich gibt es zu Silvester wieder Feuerwerk. Die Hoffnung besteht, dass wir dafür an einer Boje im Zürcher Yachtclub festmachen können und das Ereignis aus direkter Nähe erleben dürfen. Doch diese Anfrage ist überhaupt nicht nötig, denn es gibt keines. Kein Feuerwerk am Zürichsee.
So kommt es, dass wir an der Caravan-Ausstellung in Bern nach Tipps von Bekannten doch noch einen Platz im Miralago ergattern, wo wir auch gleich die Zeit nach der Ausstellung verbringen.
Eigentlich hätten wir erst vom 18. an reserviert, aber fragen kann man ja. Und wir haben Glück, unser Platz ist auch vorher schon frei, sodass wir bei wenig Verkehr in kurzer Zeit aus der Gotthard-Röhre in die Sonne fahren. Tut das gut! In der Rezeption empfängt man uns mit lauter Hallooo und einem kleinen Panettone.
Wir schaffen es, Strom, Wasser und Abwasser noch bei Sonnenschein anzuhängen und einzufüllen sowie anschliessend draussen einen "Anlegedrink" zu nehmen. Direkt am See ist schon sehr herrlich. Wir haben das ganze Seebecken vor unserem Bug und stellen unsere bequemen Stühle mit der warmen Vliesdecke noch knapp eine Stunde an die Sonne. Leider fahren die netten Nachbarn schon am Folgetag wieder nach Hause. Sie werden aber von ebenso netten Nachfolgern ersetzt. Zwei befreundete Paare stellen sich rechts und links von uns auf und überlassen uns den ganzen möglichen Sonnenschein vom Morgen früh bis zum späten Abend, der einen stets voller werdenden Mond zeigt.
Ein ebenso netter Nachbar in einem roten Pössl muss knapp davor den Platz wechseln, weil er auf einem reservierten gelandet ist. Später leiht ihm der Skipper unsere wertvolle Velopumpe aus, wofür der Pössl-Reisende sich herzlichst mit einheimischem Honig bedankt, bevor er die Weiterfahrt nach Italien angeht.
Dank den neuen Nachbarn, Jenny und Marco rechts, Jasmin, Beni, Alexander und Xenia links, kriegt die Autorin eine ausgeklügelte Wäscheleine für ihr Schwimmzeug. Vorher hing es über den Aussenspiegeln.
Schwimmzeug? Ja, klar, wie immer ist die erste Aktivität des Tages ein Schwumm im noch 7° C warmen See, der später auf 6° hinuntergekühlt wird. Seit letztem Winter aber mit Neopren-Füsslingen und Jäckchen plus einer orange leuchtenden Schwimmblase. Inzwischen sind es 800 Züge, pro Tag jeweils 100 mehr. Aber bei 1000 bleibt es dann stehen. Vor allem für die Füsse, vielleicht aber auch für die lebenswichtigen Organe, bedeutet diese Ausrüstung einen riesigen Unterschied. Die Füsse bleiben warm und das Geschlotter nach dem Schwimmen hört viel schneller auf. Vom Freitag bis zum Montag, dem letzten Herbsttag, friert es nachts bis minus 4° C. Der Sand schimmert weiss und auf dem Floss liegt eine Reifschicht. Doch die Sonne während des Schwimmens aufgehen zu sehen, ist einfach unerhört wohltuend. Erst sind nur die Berggipfel rosa, doch immer mehr vorgelagerte Hügel werden im Zickzack beschienen, sodass es scheint, als ob die Sonne bestimmte Gebiete bevorzugt. Man muss inzwischen recht weit durch solch Schlabbermoos oder Algengewächs in den See spazieren, bis er Schwimmtiefe aufzeigt.
Der Gänsesäger ist viel zutraulicher als in der letzten Wintersaison. Sonst teilen sich Schwäne, Blesshühner, Enten und Haubentaucher den See. Bis auf den Morgen des letzten Herbsttages. Da hatte sich ein reht grosser Schwarm Reiherenten niedergelassen. Doch schon nach dem Duschen, beim Spaziergang war nichts mehr von ihnen zu entdecken. Später scheinen Weibchen der Reiherenten doch hier geblieben zu sein. Sie entpuppen sich jedoch als Tafelenten, welche Vogelbeobachter mit ihren Teleskopen auf Stativen ans Ufer locken.
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Grillen, statt Vögel zu beobachten. |
Die Vögel sammeln sich beim freigewordenen Algenteppich. |
Über den tief in den Boden gefrorenen Sentiero delle Rive, welcher im Winter für Spaziergänger dem See und der Verzasca entlang geöffnet ist, geht es zum Aufwärmen bis zum Campofelice, den Campingplätzen und dem Centro Sportivo entlang und zurück zum Brötchenholen. Teils sind die Gärtner noch immer vollends aktiv, um Bäume zu schneiden, zu fällen, Wurzelstöcke zu entfernen und die entstandenen Löcher sauber mit Rasensamen gespicktem Boden zuzuschütten.
In der Pergola des Camping Lago Maggiore stellte jemand eine Krippe auf einen der Granittische. Sie steht tatsächlich schon drei Tage und hat auch den Starkwind von gestern, Montag überstanden. Selbst bei unserer Abreise hat noch niemand sie zerstört oder entfernt.
Die Hafenzufahrt Campofelice wird immer enger. |
Die letzten wahrhaft goldenen Herbsttage gehen mit einem nicht vorhergesagten Starkwind zu Ende. Die Velos verschwinden im Windschatten hinter dem Fahrzeug, der Wäscheständer aber darf stehen bleiben und bietet dem Wind Dauerwiderstand. Der Camper wird während des gemütlichen Raclettes so richtig durchgeschüttelt, aber wie sich am Dienstag, dem ersten Wintertag, witzigerweise mit positiven Temperaturen, zeigt, haben wir mit unserem Platz ein grosses Sandglück. Die See-Plätze an der Hautptachse wurden richtig sandgestrahlt, während wir dank einer stufenweisen Erhöhung der Strandwiese bis zu unserer Ebene nichts davon abbekamen.
Allerdings meldet sich der Winter heute Morgen zwiespältig an. Es ist so bewölkt, dass der Morgen sich noch genau so dunkel oder gleich hell zeigt, wie die Nacht unter fast Vollmond. Es ist bedeckt, doch viel wärmer, als die anderen Tage. Der Strandweg ist aufgeweicht, während er sonst eben durchgefroren war und erst im Sonnenlicht im obersten Zentimeter etwas auftaute.
Die Sonne ist immer sehr beliebt
Dieser Beitrag spielt vom Mittwoch, 22. Dezember bis zum Freitag, 31. 12.2021...
Das ist ja ein ganz anderes Aufstehen heute! Schon in der Nacht wird der Himmel immer heller, bis der leicht angeschlagene Mond strahlend durchs Dachfenster blinzelt. Das Wetter hält sein nächtliches Versprechen im Gegensatz zur Prognose und leuchtet auch am Morgen fröhlich in die Berge. Bis das Wasser die Sonne widerspiegelt, dauert es noch einen Moment.
Gestern Abend scheint sich in unserer Nähe ein Notfall ereignet zu haben, denn plötzlich steht eine Ambulanz und ein Notfall-PW schräg hinter uns, fährt aber nach gut 20 Minuten weiter.
Beinahe täglich sitzen wir draussen und geniessen unser Tagesgestirn. Das schöne und warme Wetter lockt uns auch wieder einmal nach Ascona. Dies Jahr fällt ja die offizielle Segeltour auf dem Riesen-Segel-Katamaran zum zweiten Mal Corona zum Opfer. Die Ansteckungszahlen steigen, als ob es später nie mehr erlaubt wäre. Auch die Geimpften müssen sich den Massnahmen unterwerfen. So tut uns einfach die Velofahrt ins beliebte Feriendorf äusserst gut. Weil der Campingplatz die Ausflüge und den Weihnachts-Apéro nicht durchführen darf, fahren Samichlaus und Wichtel über den Platz, um Panettone zu kredenzen und werden mit Applaus und Bravo-Rufen empfangen.
Danach bietet das Management uns täglich Live-Musik im und ums Strandzelt an. Zusätzlich zum stets bestens mit Brennholz versorgten Design-Grill, den Feuerschalen und Stahl-Fackeln ergibt das schon einen sehr geschätzten Luxus.
Seit jetzt Heidi und Erwin auch hier sind, setzen wir uns mit unseren Stühlen jeweils zu ihnen, um dort noch viel besser von der Sonne zu profitieren.
Bei Ankunft kredenzten wir ihnen ein zuhause vorbereitetes, vakuumiertes und tiefgekühltes Menue, damit sie nicht kochen müssen. Dafür durften wir von ihrem Wein profitieren. Das Dessert war an sich gut, aber hat einfach nicht rihtig abgebunden, sodass eine intensieve Kühlschrankreinigung nötig wurde.
Zur Abwechslung besuchen wir ehemalige Miralago-Fans in Lugano. Es ist erstaunlich, wie gut der ÖV funktioniert und wie rasch wir in Lugano ankommen.
Für Sylvester reservierten wir im Al Fienile, dem Camping-Restuarant für vier Personen Fondue Chinoise. Wunderbar. Wir freuen uns. Kaum sind wir dort, geht der Strom aus. Ja, es würde noch eine Stunde dauern, bevor die Küche wieder in Betrieb sei. Kürzlich wurden die Bodenspalten zwischen der Plastik-Aussenwand und dem Boden mit Sandsäcken abgedichtet. Von oben heizen die Klimaanlagen und beim Eingang ein Gasofen. Leider ist das alles von der selben Elektro-Verbindung abhängig. Die Beleuchtung funktioniert noch. Trotz Schaffellen und Vliesdecken beginnt die Kälte in die Glieder zu kriechen. Nach anderthalb Stunden wird das Rechaud angezündet. Die Hoffnung entflammt auch. Der Empfangsprosecco ist schon lange ausgetrunken. Ausser einem Milliliter Vorpeisen-Gemüseschaum hilft nichts beim Warten.
Schliesslich wird der Reis in einer kalten Schüssel serviert. Wir essen davon und setzen den Rest aufs Rechaud, damit er warm würde. Juhuu, jetzt kommen die Pommes. Ungschält. Sieht ungepflegt aus, schmeckt aber. Sogar drei Saucen wandern an, leider ohne jeden Geschmack. Aussehen tun sie wie Curry, Pfeffer und Knoblauch. Löffel zum Schöpfen fehlen. Verschiedenen Tischen wird Fleisch gebracht. Schliesslich fragt jemand aus unserer Gruppe, wo es für unseren Tisch geblieben sei. Es komme. Doch das dauert, genau so, wie das Zusatz-Cola, welches nun nicht mehr Zero ist. Als das Fleisch da ist, saftet es grauenhaft im Teller, sodass alles im Blut badet. Zwei Papiertaschentücher verhindern weitere Seen-Bildung. Beim Bad in der warmen Bouillon entpuppt sich diese als reines Wasser. Eine rechte Ladung Salz und Pfeffer würzen die Sache ein wenig. Weit vor Mitternacht nehmen wir unsere Flucht in Angriff und sind danach nicht einmal mehr motiviert, zur Live-Musik-Veranstaltung vor der Villa zu gehen, um den Jahreswechsel zu feiern. Geschlafen haben wir gut.
Dieser Beitrag spielt vom 1. Januar 2022 bis zum 8. Januar 2022
Tags darauf, also am 1. Tag des neuen Jahres, gehts per Rad mit Erwin und Heidi nach Ascona, um in unserer Lieblingsbar einen Vorgeburtstags-Apéro zu nehmen und die Sonne karibikartig zu geniessen.
Natürlich geht das Schwimmen täglich durch mit tausend Zügen und anschliessendem Schnell-Wackel Campofelice-retour. Doch am dritten Januar kommt ein Zusatz-Ereignis in Gang: Die Haare der Autorin stellen einfach nichts mehr vor, sozusagen Bad-Hair-Week. Die Coiffeuse tritt sofort in Aktion und schneidet die perfekte Firsur. Noch nie herrschte soviel Zufriedenheit über den "testa bella". Schnell und sicher hat sie gearbeitet und ein perfektes Resultat geliefert. Nun muss nur noch zuhause die Sache genauso verfolgt werden. Die Nacht verspricht Sternschnuppen, die zwischen dem Grossen Bär und dem Bärenhüter entspringen. Leider ist davon dank Wolkendecke nichts zu sehen.
An Erwins Geburtstag selber gehts auf Vorschlag der Schwäger mit dem Postauto zum Verzasca-Staudamm. Weil dieser knapp 60 Jahre nach seinem Bau erstmals geleert wird, sind lange versunkene Tal- Infrastrukturen zu sehen, als wären sie eben gerade gebaut. Nebst dieser eindrücklichen Kulisse dient auch der Damm selber, um eine Überraschung zu kredenzen, denn Heidi nahm zu Ehren ihres Gatten Prosecco und Chips mit, welche wir zu seinem Wohl geniessen. Wer kann seinen Geburtstag vor so einem eindrücklichen Naturgemälde feiern! Doch hier lassen wir einfach die Bilder sprechen.
Schliesslich verpassen wir das Tal-Postauto, weswegen wir eines nach Sonogno hinauf nehmen, um aufzutauen. Nach rund 50 min Fahrt wagen wir es, bei Ankunft den Chauffeur zu fragen, ob er selbst oder bald ein anderes Auto wieder zu Tal fahre. Hier der Dialog:
- Buongiorno.
- Arrivederci.
- Buongiorno signore. Quando parte un Postauto per Tenero?
- Dieci minuti. Fuori.
- Questo?
- Fuori! Fuori!
- Dove parte?
- Fuori! Fouri!
- Parteremo con questo?
- --
- Parteremo con questo?
- -- und schlägt mit den Händen aufs Lenkrad. Kaum sind wir draussen, fräst er vom Parkplatz weg und scheuert um die Ecke.
Echt freundlich, dieser Zeitgenosse. Hätte er eine vernünftige Antwort gegeben, hätte er früher weiterfahren können. Wie auf dem versteckten Fahrplan an der Haltestelle ersichtlich ist, kommt das unsirige Auto bald an und bringt uns sicher, im leider ungeheizten Gefährt, nach Tenero zurück.
Wie bereits in Sonogno am Nachmittag, beginnt es in Tenero abends auch zu regnen.
Was dazu führt, dass der folgende Morgen nicht so schwimmfreundlich beginnt. Um Viertel vor acht regnet es noch immer. Aber plötzlich herrscht Ruhe auf dem Dach, sodass doch noch die Badehosen angeschossen werden, allerdings ohne Neopren-Jäckchen und ohne Spaziergang. Das Trocknen der Sachen würde im Camper zu lange dauern und es soll wieder zu regnen beginnen. Nichts davon, die Sonne scheint, weswegen dieser Regentag zum Bloggen zugunsten von Sonnenbaden und Einkaufen nun kurzentschlossen beendet wird.
Der Nachthimmel lässt staunen
Natürlich schnuppen (wie vorhin erwähnt) die Sterne hinter der dicken Wolkendecke, wenn einmal gelernt ist, dass ein Meteoritenschwarm zwischen dem Boothes (Bärenhüter) und dem grossen Bären den Jagdhund antreiben würde. Der Mond hat wenigstens nicht so stark Verstecken gespielt seit Beginn unserer Ferien hier. Strahlend wuchs und verging er, bevor er jetzt erneut grösser wird und sich vom Jupiter begleiten lässt. Doch auch der Saturn macht seine Aufwartung, die sich genau so wenig gut fotographieren lässt, wie diejenige des Jupiters. Umso reicher sind die Erinnerungen an die wunderbaren Farbenspiele, die schon etwas vor dem Sonnenuntergang beginnen. In unserer Camping-Position haben wir für diese zauberhaften Beobachtungen allerdings auch die besten Voraussetzungen.
Während der Widerschein der untergegangenen Sonne am Donnerstag den Himmel von Ost nach West hinter den Bergen direkt über der Kimme von rötlich bis gelblich färbt, ist das Band darüber noch ganz himmelblau, wird aber immer zarter, bis es mit den aufgegangenen Sternen in dunkles Nachtviolett wechselt. Gegenüber erscheint der Mond erst fast weiss, bis er hinter den Palmen über silberfarben langsam zu Gold wechselt und sich westlich auf gleicher Höhe mit wenig Abstand durch Jupiter, der scheinbar immer grösser wird, begleiten lässt. Genau über einem Bergipfel geht währenddessen der Saturn auf und schaut dem im See gespiegelten Sternenhimmel eine Weile zu, bis er sich nach Westen hinter die Berge verabschiedet.
Sind wir nicht unglaublich bevorrechtet, so etwas erleben zu dürfen?
In den folgenden Tagen dürfen wir unsere Bratwürste auf Schwägers Grill braten und werden zusätzlich zu einem herrlichen Abendessen in ihren Camper eingeladen. Diesmal bringen wir den Wein.
Einen Tag früher, als geplant, gehts heimzu
Dieser Beitrag spielt am Ende der Ferien
Wie Stefanie während eines WhatsApp-Chats anfügte, kommt eine Stellvertretungs-Anfrage. Ob ich 50% einer teilzeit krankgeschriebenen Kollegin übernehmen könnte? Das Hin und Her ergibt, dass es doch nicht nur darum geht, sondern auch noch um die ganze Woche wegen Covid-Isolation. Beides bejahen René und ich. Schliesslich kommt der Skipper noch auf die Idee, einen Tag früher nach Hause zu fahren, damit gleich vom Montag an dieselbe Stellvertretung an der Klasse arbeitet. Dies wird von der Rezeption ohne Probleme akzeptiert, da sie das Problem der fehlenden Mitarbeitenden auch kennen.
Schlüssel und Laptop sind rasch organisiert, gepräpt wird provisorisch für den Montag Vormittag, der Nachmittag kann dann über Mittag erledigt werden.
Allerdings ergeben sich aus der ganzen Sache noch ganz andere Konsequenzen, die in einem der nächsten Beiträge zur Sprache kommen.